Was ist es, was Eurer Meinung nach, das Wiedergeben linker Utopien so schwierig macht?
Alle Menschen um mich herum betrachten sich als links (kein Zufall) und lehnen Kapitalismus ab. Fängt man aber an über linke Alternativen z.B. Kommunismus zu sprechen, wird schnell geblockt. Was denkt Ihr, woran liegt das? Ich habe selbst einige Ideen, würde aber gerne Eure lesen.
Herzlichen Dank!

(Freue mich auch über boosts)

Ich wollte ja auch noch meine Ideen zum Thema aufschreiben. Spoiler: Sie werden auch nicht die Erleuchtung bringen.
1. "End of Story"-Denken. Menschen scheinen eine Schwäche dafür zu haben, davon auszugehen, dass sie sich am Ende der Geschichte befinden. Das behindert, sich weitere grundlegende Entwicklungen vorzustellen. Das wird allerdings im Feudalismus nicht anders gewesen sein, trotzdem machen wir jetzt in einigen Teilen der Welt Demokratie (mehr oder weniger erfolgreich zwar, aber ist so).

2. Es wird davon ausgegangen, dass der Kapitalismus grundsätzlich funktioniert (im Gegensatz zu Sozialismus, Kommunismus, Anarchismus, you name it). Ich denke, dafür gibt es eine ganze Menge Gründe. Hier ein paar:
a) Da wir das durch den Kapitalismus verursachte Elend zu großen Teilen in andere Regionen der Welt auslagern, läuft's hier ja eigentlich ganz gut damit. Funktioniert also!

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b) Kapitalismus ist ein bisschen wie ein Feuer, einmal angezündet, muss erstmal nicht viel getan werden, damit es brennt (Systeme die für gerechte Gesellschaften sind z.B. Demokratie, brauchen Energie und Arbeit um zu laufen). Doof nur, dass der Kapitalismus halt dafür dauernd aus irgendwelchen Krisen gerettet werden muss (Feuer hat übergegriffen o.Ä.) und bald kein Brennstoff mehr da sein wird. Aber wenn er läuft, läuft er von allein. Funktioniert also.

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c) Linke Utopien sind immer so kompliziert und der Kapitalismus ist so einfach! Ja… nee. Dinge, mit denen sich fast ausschließlich akademisch/theoretisch beschäftigt wird, wirken sehr kompliziert, während die dinge, die wir täglich erleben einfach wirken. Ich denke, wir haben es hier mit einer großen Hürde im Bereich Kommunikation zu tun.

3. Alternative (linke) Systeme sind PR-technisch verbrannt. Habt Ihr schon geschrieben. Sehe ich auch so. Neben der Tatsache, dass hier viel Scheiße passiert ist, die man dann rot angemalt hat, sollte aber auch nicht vergessen werden, dass an dem schlechten Ruf auch stark gearbeitet wurde. Es ist schon erstaunlich, dass so ziemlich jeder linksutopische Begriff unberührbar ist, während z.B. Neoliberalismus voll okay ist, obwohl er zeitgleich unseren Planeten abfackelt.

So viel von mir, vielen herzlichen Dank nochmal für Eure rege Beteiligung, das hat mir viel Freude gemacht.

Ich glaube nicht so sehr an die These von der egoistischen "Natur" des Menschen. Ich spreche mit vielen Leuten über diese Themen und selten (nicht nie!) höre ich, dass es jemandem nur um den eigenen Vorteil geht. Klar, wir sind von unserer Umwelt geprägt, aber die meisten Menschen scheinen mir, etwas Gutes für die Allgemeinheit zu wollen.

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