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Mit dem Projekt "Tear this down" von der Initiative Schwarze Menschen in Deutschland (ISD) gemeinsam mit dem peng! Kollektiv wird eine deutschlandweite Karte zu Straßennamen, Denkmälern und anderen Orten mit kolonialem Bezug erstellt.
Helft, die Diskussion um Kolonialrassismus im Stadtraum weiter zu befeuern und tragt Straßen und Denkmäler ein!
Teilt den Link tearthisdown.com auch gerne!

@carl Ich bin gegen einen Kult rund um "Historische" Personen. Doch was mir hier und bei anderen hitzigen Debatten fehlt, ist die Überlegung, dass durch eine Ausradierung von geschichtlichen Bezügen auch kleine Anlässe zur Erinnerung an Geschichte & Kontext verloren geht. Hinzufügen von Kontext erachte ich als sinnvoller, als eine Tilgung aus dem Bewusstsein. Straßennamen sind da gute Beispiele, denn hier gibt es z.B. oft eine kleine Zusatztafel mit Informationen zum Hintergund.

@vilbi Warum gibt es dann keinen mehr der vielen Adolf-Hitler-Plätze in Deutschland?

@carl man kann es mit der Erinnerung ja auch übertreiben ;-)
Aber man kann Geschichte auch tilgen, so z.B. die Unterschiede in der Verarbeitung der Nazi Zeit in BRD & DDR. (Ja auch die BRD war bei der Aufarbeitung nicht super, aber es gab diese Aufarbeitung immerhin)
Und mit in den Kontext setzen, da sind z.B. die Stolpersteine ein Leuchtturm Beispiel.

@vilbi Jupp, mit den Stolpersteinen stimme ich Dir zu. Siehe dazu auch den geschichtlichen Prozess um das May-Ayim-Ufer in Berlin. Wer aber entscheidet/darf entscheiden, was genau an Erinnerung übertrieben ist?

@carl das kann man mit begleitender Information/Diskussion denen Überlassen, die dazu auch Entscheidungen Treffen. Das sind die Lokalen Gremien in Städten & Kommunen, Gemeinderäte, Stadtverordentenversammlungen Stadtratsversammlungen …
Mich stört konkret an dieser hier vorgestellten Initiative der Titel "TearDown" denn das verleitet zu der Annahme von Aktionen ohne den nötigen Abstimmungsprozess mit den Bürgern bzw. deren Vertretungen.

@vilbi Befasse Dich mal mit der Geschichte vom May-Ayim-Ufer. Da wurde abgestimmt, in den entsprechenden politischen Gremien (den offiziellen).
Ich wiederhole, Umbenennungen den lokalen Kleingeistern zu überlassen, führt zu nix Gutem.

@carl Vorsicht, du bist auch nur Mensch…
Aber davon ab, ja es gibt immer zu den meisten Themen unterschiedliche Einschätzungen und Herangehensweisen.
Unabhängig vom Thema ist es sehr sinnvoll erst Verständnis für die eigene Position/Sichtweise bei Entscheidungsträgern herbeizuführen, wenn man eine Entscheidung möchte, die eine Änderung vorheriger Entscheidungen bedingt.
Wenn man sofort Angreift, Kritisiert, Konfrontiert, Vorwürfe äussert, ist Erfolg fraglich, aber gute Presse ;-)

@vilbi Wenn ohne Angriff, Kritik, Konfrontation, Vorwürfe nichts passiert, dann ist das das Mittel der Wahl um menschenverachtende Geschichte, die zur menschenverachtenden Gegenwart wurde, anzusprechen. Etwas außerhalb des Kontexts, aber die Briefe aus dem Gefängnis in Birmingham von Dr. Martin Luther King belegen, dass Veränderung mit "maßvollen" Mitteln allein so gut wie nie gelingt.

@carl es passiert genug ohne Konfrontation und ganz sachlich. Man muss es nur versuchen. Meist wird es gar nicht versucht weil es "unmöglich" erscheint.
Damit meine ich jetzt nicht die "großen" globalen Themen, sondern die vielen "kleinen" praktischen Maßnahmen und Änderungen, die aber alle auf die großen Themen einzahlen.
Man kann Regenerative Energie abstrakt global fordern, oder bei den Stadtwerken konkret anregen Investitionen in Wind&Solar-Energie zu tätigen.

@vilbi Es passiert nicht genug. Die deutsche Kolonialgeschichte ist noch nicht einmal ansatzweise aufgearbeitet, wir sind gerade in dem Stadium, wo "Kolonialgeschichte" und "deutsch" offiziell zusammen in einem Satz auftauchen.

@carl das mag so sein, doch ohne es mit Ausdauer lokal, sprich im kleinen, zu beginnen, gleich den allgemeinen Trends folgend eine neue aufgeregte grundsätzliche aber kurzlebige Diskussion zu starten, führt m.E. wenig zum gewünschten Erfolg.
Denkmäler und Straßen sind zwar global vorhanden, aber wie aufgezeigt, wird darüber lokal entschieden. Daher kann man die Debatte "oben" starten, aber man muss genug lokale aktive Unterstützer haben um etwas umzusetzen. Das geht nur Konstruktiv.

@vilbi Schaue Dir mal die Geschichte von der Durchsetzung der Bürgerrechte für Schwarze Menschen in den USA an, insbesondere die O-Töne der "unterstützenden" weißen zu der Zeit. Ein schönes Beispiel dafür, wie "gemäßigte" Aktionen NICHT zu Erfolg führen.

@carl In den USA verändert sich die Situation, du nanntes ja auch Martin Luther King, seit Generationen sehr schleppend und King setzte sich erfolgreich & gewaltfrei für Bürgerrechte ein.
Denk mal nach warum jetzt das wichtige Thema Benachteiligung / Rassissmus gegen nicht Weiße (wobei das schon andere gleich behandelte Gruppen ausschließt) durch eine Nebendebatte über Kolonialismus verwässert werden soll.
Und es geht hier in DE um eine Gesellschaftliche Debatte, nicht Bürgerrechte.

@vilbi Es geht auch um Bürgerrechte. Zum Beispiel für die NSU-Opfer, zum Beispiel für Oury Jalloh, zum Beispiel für Christy Schwundeck, zum Beispiel für etc. pp. Hier zeigt sich das systemische und strukturelle Staatsversagen bei der Garantie der Bürgerrechte für Nicht-weiße deutlich.

@carl beim NSU mündete das in einem Prozess und einigen Untersuchungsausschüssen.

@vilbi Ich sprach vom systemischen und strukturellen Versagen bei der staatlichen Garantie der Bürgerrechte für nicht-weiße. Ein (!) Bauernopfer gab es, die Strukturen wurden weder aufgeklärt noch verändert.

@carl Carl, dieses Argument des systematisch und strukturellem Versagens des Staates bei ganz vielen Themen höre ich zu oft, als legitimierendes Argument "Den Staat" / "Das System" durch den durch das Versagen legitimierten "Wiederstand" zu ändern.
Die Themen/Begründungen wechseln, das Ziel nicht. Das lässt für mich, trotz Sympathie und Unterstützung für einige der Themen, leider nur den Schluss der Instrumentalisierung der verschiedenen Themen zu.

@vilbi Wieso sollte mensch ein systematisch und strukturell versagendes System nicht verändern wollen?

@carl es geht hierbei nicht um nicht verändern sondern um die oft konstruierte legitimierung der Mitrel deibei.

@vilbi Natürlich geht es um Verändern! Oder findest du den Status quo gut?

@carl es geht hier vielen nicht um zugegeben nötige konkrete Verbesserungen, sondern um einen Anlass "Das System" zu Verändern. Du weichst hier meinem Punkt klassisch aus.

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@vilbi Der Bus Boycott und der Marsch auf Selma war nicht gewaltfrei. Das ist das Bild, das weiße von Dr. Martin Luther King gerne vermitteln. Lies seine Briefe aus dem Gefängnis in Birmingham. Und lies die Erfolge der durch weiße so verteufelten (und auch bekämpften!) Black Panther Party nach.

@carl und diese Diskussionskultur geht mir gegen den Strich "Das Bild, das weiße… gerne" "durch weiße so verteufelten"
Dabei geht es mir nicht darum ob da weiss oder schwarz oder Mann oder Frau steht, es geht um die Pauschalisierung von Positionen/Meinungen/Handlungen von Menschen die durch zuschreiben gleicher Eigenschaften nur aufgrund der Zugehörigkeit zu einer biologischen Gruppe.
Jedes Argument ist dadurch falsch, daß es ein nicht der "richtigen" Gruppe angehörender Äussert

@vilbi Der Begriff "weiße" definiert keine biologische Gruppe, er ist ein wirkmächtiges soziales Konstrukt. Die Spezies Homo sapiens sapiens kennt keine biologischen Rassen, wohl aber "Rassen" als soziales Konstrukt.

@carl jetzt kann Rasse also im Grundgesetz bleiben da es ja nur ein soziales Konstrukt ist, so wie Religion oder Gender?
Und der Begriff "Schwarze" beschreibt gar nicht eine dunkle Pigmentierung oder so, es bezeichnet nur allgemein ein soziales Konstrukt...
Jetzt verstehe ich aber manche Aufregung nicht mehr...

@vilbi Natürlich kann der Begriff nicht im Grundgesetz bleiben, da dort eine biologische Bedeutung des sozialen Konstrukts impliziert wird. Der Begriff Rassifizierung wäre dazu richtig, ist aber nicht so unmittelbar verständlich wie es im GG sein muss.

@carl es geht im Grundgesetz um den Schutz und die gleichen Rechte jedes Individuums, somit sind individuelle bzw. gesellschaftliche Merkmale einer Diskriminierung/Benachteiligung benannt.
Der Begriff Rasse wird hier kontrovers gesehen für die ein soziales Konstrukt wie Gender für andere "biologische Rassen" und "Patriachat". Nach der Logik müsste dann beides raus, verloren gehen dann Beispiele für strukturelle Benachteiligungen.
Die einen lesen das eine, die andern das andere...

@vilbi Nun gibt es bei Rassifizierung bereits recht viele wissenschaftlicher Erkenntnisse. Das hat nix mit Meinung zu tun (die kann mensch in dem Fall auch noch haben), sondern mit gesicherten Erkenntnissen. Insofern ist das kein Meinungsding. Für die Gender-Forschung gilt das übrigens ebenso.

@carl geht mir hier immer noch konkret um den Rasse Begriff im Grundgesetz.
Ist der Biologisch oder Sozial gemeint.
Soll er ganz entfallen weil er biologisch falsch ist oder soll er klarer formuliert auf das soziale Konstrukt hin erhalten bleiben.
Ich bin eben auf der Seite derer die den Aspekt einer rassistischen Benachteiligung erhalten möchten.

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@vilbi Und Schwarz ist ein soziales Konstrukt. Es gibt keinen Menschen mit (physikalisch) schwarzer Hautfarbe. Dennoch wissen alle in der westlichen Welt sofort, wer darunter einkategorisiert wird und wer nicht.
weiße haben ja sogar mehr (physikalisch) verschiedene Hautfarben als Schwarze: rötlich, bleich, zartgrün, rot, lila, blau etc.

@carl und konkret auf die von dir angesprochenen Märsche zur vollen Durchsetzung des Wahlrechts für Schwarze in Selma (ca.30.000EW) im März 1965. Die waren nach meinen Quellen von Seiten der Demonstranten überwiegend Gewaltfrei. Und das meinte ich mit meinem Beitrag. Die Gewalt kam damals von der Polizei von Selma und war so offensichtlich einseitig, dass der 3. Marsch von der US Army und der National Guard begleitet wurde um den Marsch zu schützen.

@vilbi Da du die Briefe aus dem Gefängnis im Birmingham von Dr. King wohl nicht lasest, hier ein Link dazu: uumidland.org/blog/martin-luth
Dieser Text von Dr. King galt damals und gilt auch heute für "wohlmeinende" weiße in der Abwarteposition zu Rassismus.

@carl das unterstreicht aber die von mir angeführte Gewaltlosigkeit die ja nicht "Stillhalten" meint. Und es ging mir in obiger Argumentation um die normale Reaktion von Menschen die Straßennamen ändern sollen, die Generationen vorher benannt wurden. Wenn man diese "mitnehmen" möchte und an einer Änderung der Namen interessiert ist, tritt man in einen Dialog auf Augenhöhe und greift nicht Aggressiv die lokalen Entscheider an, ausser man ist nur an der Presseresonanz interessiert.

@vilbi Ich bewerte Aktionen und Maßnahmen am Erfolg. Historisch ist u. a. am Beispiel der Nazis nachgewiesen, dass Gewaltlosigkeit nicht zum Erfolg führt.

@carl Die Geschichte dieser Umbenennung zeigt klar, das es weder einfach ist hier eine "Schuld" von Namensgebern zu er/vermitteln noch überhaupt den Geber des Namens klar zu ermitteln.
Ein Name allein ist selten Eindeutig und daher auch mein Hinweis auf die klärenden Kontexttafeln.
Und das alles braucht Zeit und um so mehr, als die Prioritäten von Städten & Kommunen eher wo anders liegt als bei Namen von Denkmälern und Straßen diese Tage.

@vilbi Die Ehrung der afro-deutschen Dichterin May Ayim lenkt den Fokus auf sie, (zukünftige) Menschen befassen sich dann ggf. mit ihr, ihrer Geschichte, ihrem Sein, ihrer raison d'être und nicht mit dem anderen.

@vilbi @carl Straßen sind zur Ehrung der Person, nach der sie benannt wurde.
Was eine Straße mit Kolonialismus-Bezug bereits tut: Ausradieren des damit verbundenen Leids und damit Verzerrung der Erinnerung.
Was eine Umbenennung tut: Die Geschichte der Straße verändern. Die Ehrung unserer aufgeklärteren gesellschaftlichen Erinnerung anpassen.
Was eine Umbenennung nicht tut: Die Geschichte des Kolonialismus verändern oder Schulbücher und Archive löschen.

@boreana @carl
Da ist mein Verständnis von Straßennamen mit Personenbezug etwas anders, basierend auf den Beratungen in Gremien zu Namensgebungen. Hier wurde nicht über Ehrung sondern über Erinnern an Personen des öffentlichen Lebens, daher ja auch die Kontextschilder unter den Schildern.
1/2

@boreana @carl In meiner Gemeinde wurden meines Wissens auch in der Vergangenheit auch Straßen und Plätze (selten) umbenannt, wenn eine Debatte rund um den konkreten Namen auch mit den Anwohnern dieser Straße/Platzes dieses Ergebnis brachte.

M.E. ist es essentiell hier lokal zu diskutieren und nicht zentral etwas zu "Beschließen" oder einfach zu "Handeln".
2/2

@vilbi @boreana Sorry, mit der Vorgehensweise gäbe es noch heute viele Adolf-Hitler-Plätze. Lokal reicht nicht, wir leben in einer (globalisierten) Welt.

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