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Und aus gegebenem Anlass frage ich mich in welchem Rahmen es eigentlich ok ist (und ob überhaupt) dieses Bild (Napalm Girl) auf Social Media zu teilen? Der Vietnamkrieg ist vorbei, sollten wir jetzt nicht etwas wählerischer sein in welchem Rahmen die Aufnahme verbreitet wird?

@dirkprimbs Die Frage ist sehr gut. Ich weiß darauf auch keine gute Antwort. Es muss gezeigt werden, mit einer Einordnung, ähnlich wie historische Nazi-Aufnahmen.
Stichwörter, die mit dazu einfallen, sind . Wichtig dazu ist, dass die Dargestellten dabei NIE weiße sind. Sonst "würde es ja die guten Sitten verletzen".
Das Verbluten von live zu zeigen, inklusive verzweifelter Freundin, ist kein Problem, wohl aber das Enthaupten weißer.

@carl was auch ein interessanter Aspekt ist die Frage ob sich das vielleicht geographisch ändert. Nur weil es bei uns so ist muss das ja z.B. in Asien nicht auch so sein, wir haben nur keine Ahnung über deren bildkulturellen Praktiken.

@dirkprimbs Stimmt. Meine Aussage gilt nur für Europa und die USA.

@carl ich habe auch die Beobachtung gemacht dass sich schon die Behauptung ein Bild wäre ikonisch und berühmt dramatisch abhängig vom jeweiligen kulturellen Hintergrund ist. Beispiel: Migrant Mother hat außerhalb der Fotografen-Bubble hier in Deutschland bisher buchstäblich niemand gekannt denen ich das Bild gezeigt hatte. In den USA reicht der Titel und die Leute wissen welches Bild gemeint ist...

@dirkprimbs Wahrscheinlich, weil "migrant" in Deutschland so extrem negativ besetzt ist... Ist ein Beispiel für
Im Unterschied zu anderen, wo die dargestellten Menschn Schwarz oder PoC sind, ist die Würde der Frau als Individuum in der Fotografie erhalten.

@carl Nein, das halte ich nicht für den Grund. "Migrant Mother" stammt aus den 30ern und das Bild wurde berühmt obwohl auch die Amerikaner ihren während der Great Depression migrierenden Armen gegenüber skeptisch waren.
Nein, das Bild kennt hier einfach niemand weil es hier eben nicht überall abgedruckt wurde/wird.

@dirkprimbs @carl Beides sind historische Dokumente, daher sollten sie unbedingt gezeigt werden. Wobei Migrant Mother nicht ganz authentisch sein soll.

@GambaJo
zeigen ja, z.B. in Büchern. Aber das Teilen in Social Media wird meist ohne Kontext und im Grunde mit dem Hintergedanken dadurch Interaktion wie RTs oder Likes auszulösen gemacht. Ich finde das muss man hinterfragen. Das grenzt oft an nachträgliches Ausnützung einer Notlage.

Ansonsten sind beide Bilder übrigens nicht ganz authentisch. Z.B. wurden beide retuschiert, beschnitten und die allgemeine Erzählung ist bei beiden meist falsch wiedergegeben.
@carl

@dirkprimbs @carl So sind soziale Medien grundsätzlich zu kritisieren, bzw. deren Nutzer. Aber besser, es wird überhaupt verbreitet, als zensiert. Und wer will, der kann sich weiter informieren.

Mit nicht authentisch meine ich gestellt.

@GambaJo
ich will hier keine Diskussion über authentizität führen. Beide Bilder wurden mit der Intention verbreitet beim Betrachter eine Reaktion auszulösen. Beide zeigen echte Situationen und lösen eine emotionale Reaktion aus und wurden im Rahmen der zu ihrer Zeit geltenden Regeln auch legitim gemacht...

@carl

@GambaJo

Es geht auch nicht um Zensur sondern mir geht es um die Frage warum solche Bilder verteilt werden und womit wir uns eigentlich das Recht rausnehmen "Gewaltporno" über Social Media zu verbreiten ohne auch nur einen Gedanken daran zu verschwenden was genau dargestellt wird, warum wir das tun und ob die Betroffenen eigentlich damit einverstanden wären wenn sie wirklich eine Chance hätten es zu beeinflussen.

@carl

@GambaJo
wir beweisen hier auch gerade anschaulich dass dieses Bild nicht geteilt werden muss um darüber zu sprechen. Es ist so ikonisch, dass ich einfach "Napalm Girl" benennen kann und Du weißt worum es geht. Ergo: Das Teilen wäre nur noch Deko, eine Illustration. Und wir haben hier wenigstens noch eine echte Diskussion... online sehe ich da eher Tweets nach dem Muster " 1972 fotografierte Nick Ut ein Mädchen dass von einem Angriff flieht" mit angehängten Bild.

@carl

@dirkprimbs Ich spreche dem Bild nicht die Legimität ab, aber gestellte Bilder taugen nur bedingt als historische Dokumente. Das heißt nicht, dass das Bild an sich nicht gut ist.

@dirkprimbs Ja, wir wissen, welches Bild wir meinen. Wenn wir doch eh das Bild im Kopf haben, dann ist es doch auch egal, ob man es noch mal postet, wir kennen es ja eh schon. Und die, die es nicht kennen, wissen direkt, worüber wir reden.

@dirkprimbs Ich hätte erst ein Problem damit, wenn man das Bild unberechtigt zu Geld macht.

@GambaJo ketzerische Frage: machen nicht indirekt Twitter, insta und Co damit dann Geld?

@GambaJo bleibt die Frage warum wir entscheiden dass eine Notsituation veröffentlicht werden darf weil das Bild prominent ist.

Ich selbst als Fotograf werde jede Woche von irgendwem dran erinnert dass ich nicht einfach so Leute fotografieren darf. Das sind harmlose Situationen, bei mir sogar meist nur Silhouetten. Hier ist ein Kind nackt auf der Flucht vor Napalm und wir so "joah, ist ja historisch, nech?"

Ich finde wir sollten es uns argumentativ etwas schwerer machen ;-)

@dirkprimbs Es war ja kein Wald und Wiesen Fotograf, sondern ein Kriegsberichterstatter. Er hat es auch nicht einfach so veröffentlicht, sondern in einer Zeitung veröffentlicht.

@dirkprimbs Ich weiß, was du meinst, es gibt unterschiedliche Rechte, die hier gegenüber stehen. Am Ende muss ein Recht überwiegen. In diesem speziellen Fall überwiegt die historische Aussage.
Und es war eine andere Zeit. Diesen Kontext muss man auch beachten. Heute würde so ein Bild vermutlich nicht mehr veröffentlicht. Wobei, der ertrunkene Flüchtlingsjunge ist inhaltlich nicht weit weg davon.

@dirkprimbs Aber so zu tun, als wäre das alles nicht passiert, finde ich falsch.

@GambaJo aber auch das verlangt doch niemand, ich am allerwenigsten.

@GambaJo das Bild kann man meiner Meinung nach auch heute teilen. Es kommt auf den Kontexte an und bei dem Bild über das wir reden hat das Teilen eben nichts mehr mit dem ursprünglichen Kontext zu tun

@GambaJo ich glaube du verstehst falsch warum ich überhaupt die Frage stelle. Ich habe nichts gegen journalistische Fotografie und Bilder dürfen auch mal schockieren. Bei Napalm Girl auf social Media geht's aber das schon längst nicht mehr um das eigentliche Ereignis oder auch nur um eine echte Message. Das wird einfach nur geteilt weil es Likes bekommt und ikonisch ist und ich hinterfrage ob das so wirklich ok ist.

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@GambaJo damals war das doch auch ok. Ich rede von HEUTE ein Kriegsbild zu teilen von 1972 aus einem Konflikt der inzwischen auch vergangen ist

@GambaJo @dirkprimbs Bitte nimm "Framing" als wichtigen Aspekt bei der Betrachtung geteilter Medien auf.

@GambaJo @dirkprimbs Naja, da wird schon ein Unterschied gemacht, was "historisch" ist und was nicht. Generell werden Dokumentationen von (Kolonial-)Verbrechen weißer eher nicht "historisch" bewertet und daher auch nicht gezeigt.
Beispiel hier: face2faceafrica.com/article/bl

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