Bei jedem Arztbesuch habe ich das Gefühl in einer Parallelwelt zu sein. Hände & Kugelschreiber desinfizieren ist Pflicht. Maske selbst bei Vollnarkose. OPs trotz Kälte nur bei offenem Fenster.

Zu Hause lese ich, dass einige Politiker eine Rückkehr zur „Normalität“ fordern. (1/x)

Es tut mir wirklich leid das zu sagen, aber jegliche Form von Normalität können wir einfach gerade mal vergessen, so lange das Virus derart verbreitet ist. Hinzu kommen die neuen Varianten, über die wie vieles noch nichts wissen. Und das was wir wissen, ist wenig beruhigend.

Der Vergleich zum Vorjahr, dass „so bald es warm wird“ die Zahlen runtergehen werden, ist irreführend. Denn die neuen Varianten sind nun einmal ansteckender. Noch sind zu wenige geimpft, als dass dies einen großen Effekt haben könnte. Diese Hoffnung ist trügerisch.

Ein Virus lässt nicht mit sich verhandeln. Die Inkubationszeit & asymptomatische Verläufe machen es extrem unwahrscheinlich, dass eine Ausbreitung ohne Abstandsregeln erreicht werden kann. Diese Methoden wirken primitiv, aber sie sind das beste, was wir haben.

Niemand ist dagegen, Risikopatienten zu schützen. In der Praxis ist das aber schwierig. Menschen, die in Pflegeheimen arbeiten, haben auch Familien & Kinder, die zur Schule gehen. Viele werden daheim gepflegt. Einige arbeiten ganz normal. Man kann diese Menschen nicht isolieren.

Wir wissen noch sehr wenig über die Langzeitfolgen einer Infektion. Und das, was wir wissen, ist besorgniserregend. Selbst Menschen, die einen leichten Verlauf haben, können Langzeitfolgen wie chronische Erschöpfung entwickeln. Nur auf Risikogruppen zu schauen ist trügerisch.

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Ich will auch Normalität. Mehr als alles andere. Doch unbegründete Hoffnung beschert uns nur eine kurzfristige Illusion von Normalität. Wenn alles öffnet geraten die Intensivstationen wieder unter Druck. Und am Ende sind wir keinen Schritt nach vorn, sondern zwei zurück gegangen.

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