Hass im Netz gegen Frauen & Alltagssexismus sind keine von einander losgelösten Phänomene. Das eine bereitet dem anderen den Weg. Deshalb ist es fatal, wenn offener Sexismus mit „stell Dich mal nicht so an“ oder „war doch nicht so gemeint“ abgetan wird. So wird Hass normalisiert.

Was mir etwa auffällt, ist wie oft man als Frau Kommentare bekommt, in denen das Aussehen abgewertet wird. Egal was man anhat, es ist falsch. Ist man geschminkt, ist es zu viel. Ist man es nicht, ist man eine Emanze... Das kommt meiner Meinung nach nicht von ungefähr.

Als Frau wächst man damit auf (früher stärker noch als heute), dass das eigene Äußere Gegenstand permanenter Bewertung ist. Und dass es sozial akzeptiert ist, von fremden Männern ungebeten Kommentare über das eigene Aussehen zu bekommen. "Lach doch mal" - wer kennt es nicht?

Was harmlos daherkommt ist eine unterschwellige Machtdemonstration. Männer bewerten, ob das Aussehen akzeptabel ist. Ob die Frau sich gerade wohler fühlt nicht geschminkt zu sein oder nicht zu lächeln ist zweitrangig. Es soll auch zweitrangig für sie sein.

Wenn ich so etwas poste ist das kein "fishing for compliments" meinerseits. Ich möchte von niemanden hören "boah, du bist doch voll hübsch". Ehrlich, ich bin alt genug, dass es mir egal ist was fremde Leute von meinem Äußeren denken. Ich will das Phänomen sichtbar machen.

Manch einer denkt vielleicht: "Na ja, aber wenn Du das doch so gut wegsteckst, warum dann die Aufregung?" Ganz einfach: Ich erinnere mich noch sehr gut an eine Zeit, als ich jünger war, als ich das eben noch nicht so gut wegstecken konnte.

Als ich in der Politik aktiv war haben mehrere große Zeitungen in ihren Kommentarspalten regelmäßig Sachen unkommentiert stehen gelassen, in denen in teils extremer Sprache über mein Äußeres hergezogen wurde. Nach dem Motto: "Als Politikerin muss man das ab können."

Ehrlich, ich finde nicht, dass es Voraussetzung sein sollte mit einem riesigen Berg Scheiße, der täglich auf einen einprasselt, klarkommen zu müssen. Auf viele junge Frauen in der Politik wirkt das abschreckend. Zu Recht wie ich finde. Das sollte sich keiner geben müssen.

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Das ist nicht das Problem der Frauen. Aus Selbstschutz Anforderungen an einen Job zu stellen ist nur gesund. Es ist Aufgabe der Gesellschaft dafür zu sorgen, dass wir das in den Griff bekommen. Die Opfer dürfen nicht allein gelassen und ihre Erfahrungen nicht kleingeredet werden.

@kattascha Danke, dass du es so gut zusammen fasst. Über die Problematik versuche ich gerade auch aufzuklären.
Nur mit dem Punkt, dass es früher sogar noch schlimmer war, würde ich nicht so ganz mit gehen. Hatte heute erst ein interessantes Gespräch hier darüber, dass der Einfluss von neuen Medien viel mit jungen Mädchen und ihrem Selbstbild und der Außenwirkung macht.
Jedenfalls bin ich froh, dass du diesen oberflächlichen und oft misogynen Umgang mit Frauen ansprichst.

@kattascha Du sagst es. Es ist Aufgabe der Gesellschaft und nicht das Problem der Frauen. Solange ich als Mann uncool bin, wenn ich in einer Männerrunde nicht „die neue Kleine aus der HR-Abteilung auch mal .... würde“. Daraus soll keine Entschuldigung für Männer werden, die sich dem Gruppendruck beugen, sondern ich will darauf aufmerksam machen, dass Sexismus und Diskriminierung nicht dann beginnt, wenn eine Frau den Raum betritt.

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